Kapitel 3- Das Dreiauge und der Zyklop

5 0 0

Kapitel 3- Das Dreiauge und der Zyklop

In diesem Kapitel ist es mir ein Bedürfnis euch von all den sonderbaren Völkern und Wesen zu berichten, die ich auf meinen heldenhaften Reisen getroffen habe. Ich erzählte ja bereits von den Maulwurfmenschen, die ich in dem Inselfresser antraf und in ihre Freiheit führte oder die garstigen Amazonen, die mich meiner DNA berauben wollten. Doch ist die Grand Line gespickt von anderen Völkern, die man sich, wenn man sie selbst nicht erlebt hat, sich nicht getraut in seinen kühnsten Träumen vorzustellen. Da wären beispielsweise die fliegenden Vogelmänner, die ich auf einer Insel antraf, die nur aus einem einzigen, riesigen, vertikal in die Luft ragenden Berg bestand, der die Wolken durchstach und von fleischfressenden Aasgeiern umkreist wurde. Ich bin den Berg, wenngleich die Felswände vollständig glatt waren, mithilfe meiner Saugnapfschuhe problemlos nach oben gelaufen und kam mir einer der boshaften Flugwesen entgegen, schlug ich ihnen kurzerhand meine Faust ins Gesicht und ließ sie lachend herabstürzen. Das hat sich ein Vogel gewagt - die anderen flüchteten panisch und es ist anzunehmen, dass sie ihren Artgenossen von mir erzählten und warnten, dass sie sich ja nicht zu sehr annähern sollten. Als ich schließlich die Bergspitze erreichte, sah ich sie da in einem brennenden Nest sitzen: Menschenartige Wesen mit sonderbaren Flügeln und das sonderbarste war nicht ihr schneeweißes Haar und ihre ebenso weißen Augen, sondern die Flammen, die lodernd auf ihren Flügeln thronten. Sie stellten sich vor als die ,,von der Sonne geküssten'' und horteten unendlich viele Schätze. Sie sagten, dass niemand sie besiegen könne, da ihre Flammen sie vor allem Leid der Welt bewahrte. Ich gab ihm einen seichten Schnabelhaken und er ging K.O. , woraufhin die anderen ihrer Art flüchten wollten. Ich hielt sie jedoch auf, indem sie ich sie mit meinem speziellen Enterhaken einfing und fesselte. Aufgrund des Respekts, den ich mir erarbeitet hatte, konnte ich sie überzeugen, dass gestohlene Gut wieder auf den rechtmäßigen Inseln und Königreichen zuzuführen. Von meiner Gnade zu Tränen gerührt taten sie dies - und heute noch erzählt man selbst den Kindern, dass der heldenhafte Sogeking erscheint, solle jemand sich anmaßen ein schlimmer Finger zu sein und sich etwas wegschnappen, was nicht rechtmäßig ihm gehört.

Nun will ich aber nichts von Vogelmenschen, Langbeinen, Langarmen oder anderen sonderbaren Völkern erzählen, sondern mich auf das eine, mysteriöse Volk beschränken, dass zu fantastisch klingt, alsdass es real sein könnte. Nachdem ich wochenlang auf der Grand Line umherschipperte, gelangte ich durch einen sonderbaren Sturm, der ohne jegliche Vorwarnung aufzog, von Schnee zu Sonnenschein zu einem heftigen Monsum wechselte, schließlich zu einer sonderbaren Insel an. Es war eine Insel die - so unglaublich das auch klingt, aussah wie ein riesiges Stundenglas, welches sich kaum merklich drehte. Die obere Seite der Insel wurde von der Sonne beschienen und musste wohl Tag haben. Die untere Seite lag völlig im Schatten und würde wohl zum Zeitpunkt meiner Entdeckung in Schlaf gehüllt sein. Als ich meine Augen abschirmte und die Insel näher betrachtete, viel mir sofort die wunderschöne Stadt auf, die durch das Sonnenlicht nur noch weiterglitzerte - schon von weitem konnteich erkennen, dass es eine gläserne Stadt war, aus grün geschliffenen Glas gefertigt und durch einen hohen Astronomenturm in deren Stadtmitte majästetisch kompletiert. Ich musste natürlich dieses Wunderwerk von nahen sehen, weswegen ich mich selbst mit meiner Zwille zu den Turm katapultierte - mit einer solchen Präzision, dass ich dem Studierzimmer eines alten Greises landete, der bellend aus seinem Nickerchen in seiner gläsernen kleinen Schlafbuchte erwachte. Mit seinem Stock wild umherwedelnd um mir gegen den Kopf schlagend sagte er, ich solle verschwinden und er verfluche die Tatsache, dass das Großauge bei ihm eingedrungen ist. Ich versuchte ihn sogleich zu besänftigen und sagte, dass ich kein Großauge wäre, was auch immer das heißen mag - wenn dann ein Zweiauge oder ein Vierauge, wenn man meine Präszisionsbrille mitzähle. Der Alte rieb sich die Augen, worauf vor Schreck auffahren musste - denn als er dies tat, öffnete sich ein weiteres schläfrig zuckend auf seiner Stirn. Ich dachte erst, es wäre eine Illusion oder gar Halluzination (schließlich befanden wir uns an einem sehr hohen Punkt und eine etwaige Luftknappheit konnte zu Kopfschmerzen und Trugbildern führen), aber nein! Es war wirklich da. Er verbeugte sich und schien von meiner sanften Stimme beruhigt zu sein, entschuldigend bettelnd, dass es sonst nicht seine Art wäre. Beschwichtigend winkte ich ab und sagte ihm, dass ich ihm das Missverständnis nicht übel nehmen würde, während ich auf einem kleinen quaderförmigen Gebilde Platz nahm. Er erzählte mir mit winzigen Pupillen, dass er blind wie ein Maulwurf wäre und erzählte mir eine gar sonderbare Geschichte: Auf der anderen Seite dieser Insel lebte das Gegenteil der kultivierten Zivilisation - in Höhlen, die weit unter die Erde reichten, sollen die Großaugen leben. Dies seien humanoide Monster mit nur einem Auge, die sich nie an die Oberfläche trauen, weil sie einerseits das Tageslicht fürchten, andererseits sich auf ewig verirren mögen, da sie nichts sehen könnten. Und da er der Meister des Panoptikums war (er erklärte mir nie, was genau dies bedeutete), war er überall bekannt als der beste Brillenkonstrukteur überhaupt. Und trotzallem geschah es, dass eines Nachts einer dieser Zyklopen sich aus seiner Buchte herauswagte, den Turm erklomm und dem Großmeister seine Trigläser klaute, damit er sich dessen geniale Technik aneignen könne für sein eigenes Volk, aufdass sie irgendwann die zivilisatorische Seite von der Uhrenglasinsel kriegerisch zu Boden reißen könne. Es lief schließlich darauf hinaus, dass ich mich anbot und ihm sage, dass ich ihm seine Brille wiederbeschaffen würde, da es als Held/angehende Legende meine Pflicht war.

Ich wartete schließlich, bis die Sanduhreninsel eine perfekte horizontale Stellung hatte und rannte los - man wird gar nicht glauben, wie riesig die Sanduhr jedoch war und wie weit dementsprechend die Strecke zur anderen Seite anmuten ließ. Zwar war ich ein begnadeter Sprinter und konnte sogar den Champion des Langbeinstammes im 100 km Marathonlauf um fast eine Stunde schlagen (während er ca. einen Kilometer vor der Ziellinie keuchend und schwitzend zusammenbrach, schwebte ich völlig unangeschlagen und vor Energie strotzend an ihm vorbei und wurde daraufhin als Ehrenmitglied des Stammes und Botschafter bzw. Repräsentant für zukünftige diplomatische Zusammenkünfte aufgenommen), aber selbst ich konnte diese Strecke nicht schnell genug überwinden, bis die Uhr sich wieder einer solche Position befand, dass ich der Schwerkraft wegen nach unten rutschen musste. Deshalb nutzte ich die von mir entwickelten und patentierten Raketenschuhe, die allein mit Luft und ohne schädlichen Treibstoff liefen, was unterstrich, dass ich neben meinen heldenhaften Ausflügen auch ein gelehrsamer und interessierter Intellektueller und Inovateur war! Somit schoss ich die Strecke in wenigen Minuten entlang und schwebte fast ohne Bodenkontakt bis zu dem von dem Meister brachliegenden Ödland und fand, zu meiner Überraschung, eine blühende, flora-und faunareiche Umgebung vor. Ich fragte mich, wie es zu diesem Missverständnis kommen konnte. Nachdem ich ein kleines Rehkitz vor einem angreifenden Bären gerettet hatte, indem ich ihn ihn mit meinem 10 Tonnen Hammer auf die Pfote schlug und dieser kreischend floh, fand ich einen der beschriebenen Höhleneingänge. Ich gelang hinein und fand eine schön und ansehnlich eingerichtete Wohnstube vor, die nicht so ganz zu der Beschreibung von unzuvilsierten Grobianen passen wollte. Und dann sah ich sie tatsächlich: Die Großaugen - aber statt sie einen Menschen über einen offenen Feuer brieten oder sich gegenseitig den Kopf mit ihren Keulen einschlugen, saßen sie da und lasen Bücher. Weiterhin wahren sie in feine Anzüge gekleidet, deren Stoff aufgrund ihres muskulöses Erscheinungsbildes doch recht straff angezogen waren. Der größte von ihnen, wahrscheinlich der Anführer, schaute skeptisch über seinem Buch in meine Richtung und fragte irritiert, ob ich denn aufgrund des Dreiauges hier wäre. Ich erklärte mich, worauf er fortfuhr, dass es sich bei dem alten Mann um einen Narren handle und dieser seinen Leuten einrede, dass die Zyklopen ein unzivilisiertes Volk wären, die sie fressen und die Herrschaft über sie erlangen wollen, was nicht der Fall sei. Als ich ihn wegen der Brille ansprach sagte er, dass er sie wahrscheinlich einfach verloren habe und es ihm zu peinlich war, dies zuzugeben.

Ich konnte nicht fassen, wass mir dieser Muskelberg dort sagte und schämte mich, dass ich mich von den Oberflächlichkeiten und Vorurteilen eines alten Narren hatte leiten lassen. Nun war ich jedoch ein Diplomat durch und durch und wollte diese sinnlose Rivalität beenden. Aus diesem Grund nutzte ich meine erworbenen Fähigkeiten von einer Gruppe von Untergrundmenschen mit leuchtend roten Augen, die ich einst traf und die mir erzählten, wie sie in der ständigen Dunkelheit überhaupt in der Lage wären zu sehen und versuchte dies logisch auf die Konstruktion einer Brille zu übertragen - ein Kinderspiel. Dafür nutzte ich ich die Ersatzbrillengläser meiner Scharfschützenbrille und verfeinerte sie mit einem kleinen Lasergerät, dass ich selbst herstellte aus einem Stock, einem kleinen Blatt und einem Gummiband. Schließlich fügte ich noch ein drittes Glas hinzu und schon war die Brille für das Dreiauge fertig. Da ich ein Meister der Präzision war, modifizierte ich die Brille natürlich mit diversen einstellbaren Gläsern, dem Betätigen eines kleines Hebels an der Seite der Fasung nach Belieben austauschen und mit denen er selbst auf mikrobischer Ebene alles bis in Detail erkennen konnte. Ich überreichte dem Zyklopenhäuptlich die Erfindung und sagte, ich würde mit ihm gemeinsam zu den Dreiaugen gehen und als Botschafter des Friedens agieren - dieses Geschenk als Symbol der Zusammenkunft. 

Und so geschah es auch! Erst waren die Dreiaugen panisch und dachten, dass sie überrannt wurden von den wilden Großaugen, aber als sie mich sahen, beruhigten sich sogleich ihre Herzen, da sie mich als friedensstiftenden Intellektuellen und Gleichgesinnten betrachteten. Schließlich hatte ich die Ehre, dem Alten in seinem Turm meine neu erfundene Brille aufzusetzen. Blinzend und etwas wirr vor sich hinbrabbelnd versuchte er, sich an den neuen, scharfen Blick zu gewöhnen. Unter Tränen äußerte er, dass er noch nie in seinem Leben so gut sehen konnte und probierte mit fast schon kindischer Freude die unterschiedlichen okularen Einstellungen aus. Dann rannte er nach draußen und fiel flehentlich vor den Zyklopen vor die Füße und bat um Vergebung. Auch wenn dieser vorerst skeptisch war, konnte ich sie doch überzeugen, indem ich beide Hände griff und sie zu einem Handschlag zusammenführte. Alle jubelten und feierten wochenlang. Ab diesen Tag herrschte reger Verkehr zwischen den zwei Seiten der Sanduhreninsel und alle Vorbehalte wurden durch mich niedergeschmettert. Dieser Tag ging als der ,,Lysop Liberation Day'' in die Geschichtsbücher ein. Sicher habt ihr dies bereits in der Schule gehört, liebe Leser- und nun wisst ihr, wie dies zustande kam. So segelte ich weiter und freute mich auf all die weiteren diplomatischen Zusammenkünfte, deren Auslöser ich werden sollte.

Anmerkung des Verlegers: Was für ein Spinner! Es gibt weder Zyklopen, noch Dreiaugen. Diesen blöden Feiertag gibt es auch nicht. Was es aber gibt, ist ein 20% Rabatt auf das Jahresabo der Premiumedition der World Economy News. Für nur schlappe 84 500 Berry.

-M

Please Login in order to comment!